Sonntag, 15. Mai 2016

We're all living in Amerika...


Die heutigen Bilder sind an einem Ort in Würzburg entstanden, der ein fester Bestandteil der jüngeren Geschichte der Stadt ist. Heute gliedert sich dieses große Gelände an den Campus der Universität Würzburg an. Einige Unternehmen bauen hier ebenfalls. Es gibt ein paar Studentenwohnungen. 2018 wird auf einem großen Teil des Geländes die Landesgartenschau stattfinden. Vor einigen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen hier einfach Fotos zu machen. Aus einem früher eher geheimen Ort, der für Außenstehende kaum zugänglich war, entwickelt sich mehr und mehr ein neuer Stadtteil.




Die Geschichte des Geländes beginnt nach dem Krieg: Die United States Army errichtete nach 1945 in Würzburg eine Garnison, die bis zum Jahr 2008 an Ort und Stelle stationiert war. Die Gründe sind wohl jedem klar: Eine solche Katastrophe wie dem 2. Weltkrieg verhindern, die Bevölkerung demokratisieren und beim Wiederaufbau helfen. Später zählte womöglich auch noch der Schutz der Bevölkerung dazu. Ob es nun die deutsche oder die amerikanische Bevölkerung war, kann man rückblickend sicher nicht mehr so genau sagen. Aber eines stand fest: Mit dem Kalten Krieg und der Teilung der Weltbevölkerung in zwei Lager, stand ja sozusagen der Feind direkt vor der Tür.

Bluse, Gürtel: Primark (old) - Kette: h&m (old) - Jeans: New Yorker - Tasche: New Yorker (old) - Hut: Second Hand - Ballerinas: Deichmann



Ein paar Erinnerungen habe ich selbst auch noch an dieses geheime Gelände. Als Kind konnte ich es gar nicht verstehen, dass dort Menschen so abgeschottet vom Rest der Stadt auf dem Berg lebten. Eine große Hauptstraße führt an dem Gelände vorbei. Was man früher nur sehen konnte war eine hohe Mauer. Dahinter lag dieses Geheimnis. Einmal im Jahr war es dann möglich hinter die Mauern zu blicken. Mit dem roten Audi meines Vaters sind wir dann am Wachposten entlang gefahren, die Ausweise wurden kontrolliert und die Soldaten, deren Sprache ich überhaupt nicht verstand, wiesen uns dann den Weg zum Parkplatz. Dann waren wir also dort: Hinter den Mauern. Was man sehen konnte waren vor allem Kasernen und Menschen in Uniformen. Auf meine Frage "Was machen wir hier?" antwortete mein Papa "Rollercoaster". Mit dem Begriff konnte ich nicht wirklich etwas anfangen, aber nachdem wir ein Stück gelaufen waren und ich die ersten Fahrgeschäfte sehen konnte, war das Wort "Rollercoaster" irgendwie selbst erklärend. Es gab viele Fahrgeschäfte, die ich bisher noch nie gesehen hatte. Das konnte sogar was heißen: Bei Jahrmärkten war ich immer vorne dran, musste jegliche Fahrgeschäfte für meine Altersklasse - und vielleicht auch einige darüber - ausprobieren. Rückblickend war es sicher ein teurer Spaß. Sorry, Papa. Was auf jeden Fall feststand: An diesem Ort gab es Eiscreme, die es sonst nirgendwo in Würzburg in normalen Geschäften zu kaufen gab. Da waren Schoko- und Keksstückchen drinnen! Die unglaublichsten Kombinationen gab es da. Nicht nur Vanille, Schokolade oder Erbeere. Heute gibt's die American Icecream in den Kühlregalen der Supermärkte. Vor ein paar Jahren war das eben noch etwas ganz besonderes.


Ich kann mich auch noch ganz genau an meinen ersten Besuch bei dem dortigen Burger King erinnern. Jeder in diesem Burgerladen sprach eine komische Sprache. Mein Papa und ich mittendrin. Ich bekam das Kindermenü. Als Spielzeug gab es etwas aus König der Löwen. Eine Handpuppe von Scar in einer Box verpackt. Irgendwo bei meinen Eltern müsste das Teil sogar noch existieren. Warum ich mich so exakt daran erinnern kann? An bestimmte Ereignisse - egal wie banal sie eben sind - erinnert man sich eben. Mc Donalds gab es zu der Zeit schon überall, aber ein Burger King war damals noch etwas besonderes. Damals. Das hört sich an, als wäre ich schon steinalt. Das müsste 1995 gewesen sein. Für mich als Kind waren diese Besuche hinter der Mauer bei den Amerikanern eben immer ein Erlebnis und ein kleiner Ausflug in eine andere Welt. 


Heute wird der Großteil des Geländes umgenutzt. Viele der Gebäude wurden saniert, renoviert und umgebaut. Es gibt einen Kindergarten für die Universitätsmitarbeiter, mehrere Verwaltungsgebäude und Erweiterungen für einige Fakultäten. Die früheren Sportplätze werden weiterhin fleißig genutzt. Bis auf das frühere Football-Feld. Das wartet zusammen mit den einwachsenden Tribünen auf seine Wiederbelebung. Auf dem zukünftigen Gelände der Landesgartenschau wird fleißig gebaut, abgerissen und umgegraben. 




Gibt es bei euch auch solche Orte der Vergangenheit, die nun wiederbelebt oder umgenutzt werden? Im Moment scheint das ja sehr aktuell zu sein. Ich freue mich darüber, dass solchen Orten bzw. Gebäuden nochmal eine zweite Chance gegeben wird. In Würzburg gibt es dazu noch ein paar Beispiele. Ein alter Brauerreikomplex wird komplett umgebaut und bietet Platz für neue, innovative und ausgefallene Ideen. Die früheren Lagerhallen der Post werden heute für Veranstaltungen genutzt und beherbergen Ateliers, Büros, eine Indoor-Minigolfanlage und eine Lasertag-Arena. auch wurde ein altes Speichergebäude am alten Hafen umgebaut und gibt heute einem Kunstmuseum Raum für die Ausstellung.

Mit meinem kleinen Ausflug in die Vergangenheit und einem kurzen Blick in die Zukunft, wünsche ich euch einen guten Wochenstart. Egal wie das Wetter nun wird. Wir werden schon das Beste daraus machen! 




1 Kommentar :

  1. Lustigerweise gibt es bei mir genau den gleichen Ort. Allerdings wird der immer noch von den Amerikanern genutzt. Eine Freundin hat dort mal ein Praktikum gemacht und durfte somit mal dort hinein... letztlich machen die dort vor allem noch Schulungen und Seminare.
    Aber als der G7 Gipfel hier in der Gegend abgehalten wurde, war das mit den Sicherheitsvorkehrungen dort erst recht so eine Sache. Man hatte unweigerlich ein gruseliges Gefühl.

    Japanologie zu studieren ist heutzutage vielleicht auch nicht mehr die beste Idee. Zumindest haben die Leute gar nicht so gut gute Jobchancen damit. In Japan selbst waren wir mit einer Reisegruppe unterwegs (was angesichts unseres ersten Mals dort und der nicht vorhandenen Japanisch bzw. Englischkenntnisse der Japaner auch sinnvoll war <- obwohl ich ansonsten kein so großer Fan davon bin) und die Reiseleiterin hat natürlich Japanologie studiert. Aber tatsächlich hat sie massive Probleme nach Fukushima bekommen. Wir waren eigentlich im ersten Jahr dort, als alles wieder anlief. Aber für ein paar Jahre wollte kein Tourist nach Japan und dementsprechend sah es auch düster mit Jobs aus... Übersetzer werden ja auch nicht unendlich viele gesucht usw. Vielleicht also ganz gut, dass dich dein Leben zu einem anderen Studiengang gebracht hat. ;)
    Allerdings solltest du wirklich mal nach Japan reisen. Die haben sich sehr viele Traditionen erhalten und sind trotzdem so modern. Eine ganz verrückte Mischung und gerade für Europäer echt ein Abenteuer.

    Gerade das mag ich an analogen Fotos so gern. Ich fotografiere generell noch recht viel analog und mir macht das immer großen Spaß! :) Die Fotos haben letztlich mehr Seele als digitale...

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