Sonntag, 7. Juni 2015

Nicht wirklich ich

Strickjacke: Second Hand (H&M) - Bluse, Sonnenbrille: New Yorker - Jeans: H&M - Sandalen: Deichmann - Tasche: Second Hand

Ein ganz normaler Tag auf der Arbeit. Ich stehe an der Kasse und kassiere wie an einem Fließband einen Kunden nach dem anderen ab. Aus meinem Mund ertönen die immer gleichen Floskeln: "Hallo", "Das sind bitte so und so viel Euro", "Vielen Dank", "Ich wünsche ein schönes Wochenende". Fast schon wie eine Bandansage. Womöglich fragen sich die Menschen vor mir schon, ob ich überhaupt noch andere Worte in meinem Wortschatz habe. Immer und immer wieder die gleichen Handlungen. Kleidung abbügeln, entsichern, eintüten, das Geld entgegennehmen, ...
Es sind diese Momente, in denen ich mit meinen Gedanken abschweife.


In diesen Momenten bin ich eine ganz andere Person. Nicht wirklich ich. Ich verstelle mich. Ich führe ein Theaterstück auf. Frau Porzellan in der Rolle der Verkäuferin. In der Rolle, in der sie andere Personen denken lässt, dass sie liebend gerne mit wildfremden Personen spricht. Aufgehen muss ich in dieser Rolle. Satz für Satz muss einfach ohne Fehler über die Bühne gehen. 


Doch es fällt mir immer schwer auf fremde Menschen zu zu gehen. Diese Problem hatte ich schon immer. Ich habe wohl eindeutig den falschen Beruf erlernt. Von Beginn an stand eigentlich fest, dass ich als Einzelhandelskauffrau mit fremden Menschen zu tun haben werde. Bedienen, beraten, nett und freundlich sein, jeden Wunsch von den Augen ablesen. Nur nichts falsch machen. Anscheinend hatte ich als Schülerin damals keine Zeit mich näher damit zu beschäftigen. Bereits in den ersten Wochen meiner Ausbildung merkte ich, dass dieser Beruf nicht das Richtige für mich ist. Die Ausbildung habe ich dann abgeschlossen. Sehr gut sogar. Wer hätte das gedacht.


Tagtäglich war ich eine andere Person. Eine Person, die ich nicht war. Sobald ich mit Kunden zu tun hatte, war nicht einmal mehr meine Stimme dieselbe. Schon komisch, wie eine Umgebung einen verändern kann. Wie die Umgebung die eigene Persönlichkeit verändern kann. Rückblickend empfinde ich es irgendwie beängstigend. Mit dem Anlegen des Namensschildes legte ich wohl gleichzeitig die Person ab, die ich eigentlich war.


Heute ist es nicht mehr so. Eine andere Umgebung. Andere Menschen. Aber ich bin immer noch eine andere Person sobald ich auf der Verkaufsfläche stehe. Wenn ich das Schildchen um habe heißt es: Nett und freundlich sein. Nett und freundlich, obwohl es manchmal in mir nicht so aussieht, aber das ist dann eben in diesem Moment mein Job. Dafür werde ich dann ja auch bezahlt. Nett und freundlich sein, nichts anmerken lassen, lächeln.


Kommentare :

  1. Ohja und wie! :) Genau, so etwas mag ich auch total gerne, genau wie diese gute Laune Stimmung, die dabei herrscht! :)
    Hihi vielen Dank ♥

    Toller Post, ich kann deine Gedanken total nachvollziehen! Und sehr schöne Fotos, das Outfit steht dir super gut :)

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