Freitag, 16. Januar 2015

Das Leben ist kein U-Bahnhof...

Nachdem ich in Berlin dieses Plakat gesehen habe, musste ich andauernd über diesen eigentlich sehr geistreichen Satz nachdenken...


Das Leben ist kein U-Bahnhof

Und dem muss ich nach längerer Überlegung zustimmen. Wir haben keinen wirklich regelmäßigen Fahrplan. Die Züge fahren nicht im 5 oder 10 Minuten Takt. Wenn wir im Leben eine Gelegenheit verpassen, dann kommt seltens gleich die nächste um die Ecke und lässt sich durch eine nette Computerstimme ankündigen. 
Genau diese Computerstimme fehlt einem doch in so manchen Momenten. "Zug fährt ein", "Zug nach Pankow", "Zurückbleiben bitte" oder "Mind the gap between platform and train" ... Eine Lautsprecheransage, die uns darauf hinweist, dass gerade diese Gelegenheit kommt, wohin uns diese Gelegenheit bringen könnte und am wichtigsten aber: Dass wir beim Wahrnehmen der Gelegenheit auch aufpassen sollten. Nun bleibt die Frage: Wie lange wartet der Zug auf einen? Schafft man es noch schnell durch die sich gerade schließenden Türen oder hat man sich umsonst abgehetzt, damit man vor dem abfahrenden Zug steht und alleine am Bahnsteig zurückbleibt... Wer hat schon einen genauen Netzplan für seine vielen verschiedenen Wege, die er selbst schon eingeschlagen hat oder aber in Zukunft wählen wird? 

Natürlich fehlen uns im Leben auch oft diese komfortablen Rolltreppen, die einem gemütlich von oben nach unten oder von unten nach oben transportieren. Man muss nichts machen, außer vielleicht einmal zur Seite gehen, wenn es Menschen gibt, die es doch etwas eiliger haben. Vielleicht sind diese hektischen Menschen auch einfach zielsicherer und wissen genau wo sie hin wollen... Neben der Rolltreppe gibt es sogar Aufzüge! Alles für den Komfort und die Bequemlichkeit... Im wirklichen Leben bleiben uns dann oft nur die Treppen, die wir uns mühsam hochkämpfen müssen. Dann versucht man sich irgendwie einen Weg durch die Massen zu bahnen. Vielleicht sogar mit Erfolg. Manchmal wissen wir auch gar nicht, was uns dann am Ziel erwartet. Vielleicht hätte es ja auch einen anderen Weg gegeben? Hat man womöglich einen Umweg genommen? Gab es eine Umleitung? 
Diese Ungewissheit wird wohl immer bleiben... aber genau diese Ungewissheit, die Suche nach dem Ziel, das Zögern, all das macht das Leben meiner Meinung nach zu dem was es ist: unberechenbar, schön, abwechslungsreich, wundervoll, ungewiss, einzigartig,...


Manchmal müssen wir eben die Treppe nehmen, wenn der Aufzug außer Betrieb ist und die Rolltreppen überfüllt sind. Dann können wir auch ohne die nette Computerstimme den Weg finden, der mehr oder weniger gewiss vor uns liegt. Jedoch sollten wir alle nicht vergessen den eigenen Fahrschein für die eigene, vielleicht noch nicht ganz so klare Reise zu entwerten... Denn man kann nie wissen, was auf uns da draußen wartet!

Liebste Grüße, 
Eure Frau Porzellan

PS: Das Plakat ist Teil der Kampagne "One Warm Winter", welche Menschen über Obdachlosigkeit informieren und aufklären soll. Außerdem werden Spenden für warme Winterkleidung gesammelt und an betroffene, obdachlose Menschen weitergegeben.

Kommentare :

  1. Toller Post! :)
    Echt gut geschrieben und tolle Gedanken. :)
    Die Bilder passen auch echt super dazu!

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  2. Ich hatte etwas ganz anderes im Kopf, als ich den Spruch las, mag aber deine Gedanken dazu sehr gerne. (: Und so schöne Bilder wieder!

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